NIERENSZINTIGRAFIE

WIE NIEREN SICHTBAR WERDEN

Was ist eine Nierenszintigrafie

Die Nierenszintigrafie ist eine nicht-invasive, nuklearmedizinische Untersuchung, die spezielle Aussagen über Ihre Nieren erlaubt: wie gut sind die Durchblutung und Funktion jeder der beiden Nieren, gibt es anatomische Besonderheiten, ist die Verbindung zur Blase ungestört? Diese Informationen sind einzigartig und mit anderen bildgebenden Verfahren oft unerreichbar.

Neben der Nierenszintigrafie können auch Ultraschall, Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) zur bildgebenden Diagnostik eingesetzt werden. Die Entscheidung, welche Untersuchung ausgewählt wird, trifft Ihr behandelnder Arzt je nachdem, welche Beschwerden Sie haben.

Bei den verschiedenen Arten der nuklearmedizinischen Nierenuntersuchungen werden verschiedene funktionelle Aspekte der Niere untersucht. Zur Untersuchung selber wird ein radioaktives Material verwendet, der sogenannte Tracer. Der Tracer vermischt sich mit Ihrem Blut. Da er mit den verschiedenen Nierenzellen unterschiedlich reagiert, ist eine spezielle Aussage zu den unterschiedlichen Bereichen der Nierenfunktion möglich. 

Für die Aufnahmen wird eine spezielle “Gamma”-Kamera benötigt. Der radioaktive Tracer sendet eine Art Strahlung aus, die als Gammastrahlung bezeichnet wird. Die Gammastrahlung wird von einer Kamera erfasst, die die Informationen zu einem Bild der Nieren mit Details sowohl über die Struktur als auch die Funktion verarbeitet.

Die verabreichte Strahlendosis der Untersuchung ist gering.


Wissenswertes

Eine Nierenszintigrafie wird im Allgemeinen im Liegen durchgeführt. Dabei gibt es vier verschiedene Techniken, die eingesetzt werden.

Die Nierenperfusionsszintigrafie und die damit verbundene funktionelle Bildgebung mit 99m-Technetium-MAG3 (Mercaptoacetylglycylglycylglycin) untersucht die Durchblutung der Nieren und identifiziert eine mögliche Verengung der Nierenarterien. Durch eine Reihe von Bildern, die über 20 bis 40 Minuten unmittelbar nach der Injektion des Tracers aufgenommen wurden, kann auch die Funktionsfähigkeit der Nieren bestimmt werden. Dabei wird die Arbeitsleistung jeder der beiden Nieren getrennt erfaßt, was besonders vor operativen Eingriffen eine entscheidende Information bedeutet.

Die Nierenparenchymszintigrafie: zur Erkennung umschriebener Veränderungen im Nierengewebe mit eingeschränkter oder fehlender Funktion (Nierenparenchymdefekte) wird die statische Nierenszintigrafie mit 99m-Technetium-DMSA (Dimercaptobernsteinsäure) eingesetzt. Nach Injektion des Tracers und einer Wartezeit von 2-4 Stunden werden verschiedene Bilder der Nieren einschließlich einer 3D-Rekonstruktion angefertigt.

Die Nierenszintigrafie unter Diuretikagabe (“Lasixbelastung”) erkennt Behinderungen des Urinabflusses aus der Niere durch Bilder, die vor und nach der Gabe eines Diuretikums aufgenommen wurden. Optimalerweise kann diese Untersuchung direkt an die Nierenperfusionsszintigrafie angeschlossen werden, was keine besonderen Belastung für Sie darstellt. 

Die ACE-Hemmer-Nierenszintigrafie (“unter Captopril”) hilft festzustellen, ob die Ursache für den Bluthochdruck eines Patienten aufgrund einer Verengung der Nierenarterie bestehen kann, indem 2 Studien, jeweils eine vor und eine nach der Einnahme eines Blutdruckmedikaments, das als "ACE-Hemmer" bezeichnet wird, verglichen werden.

Mit diesen Methoden lassen sich auch wertvolle Informationen sammeln, um Nierenversagen und/oder transplantationsbedingte Komplikationen zu erkennen und um nierenbezogene Verletzungen zu entdecken.

Bei der Untersuchung helfen verschiedene Parameter, die Notwendigkeit einer Operation zu erkennen: es wird beurteilt, wie gut der Tracer in der Niere gefiltert wird und im Nierenbecken meßbar nachweisbar wird (“transrenaler Tracertransit”). Weiterhin wird gemessen zwischen dem Maximum der Radioaktivitätsmessung über den Nieren und am Untersuchungsende. An diesem Punkt kann dann zusätzlich entschieden werden, ob eine Diuretikabelastung erfolgen muss. Hier wird dann die Diuretikahalbwertzeit bestimmt als Parameter zur Entscheidung für oder gegen eine Operation.


Warum wird die Nierenszintigrafie durchgeführt?

, zur Bestimmung der tubulären Extraktionsrate (TER), d.h. frühzeitige Beurteilung der Funktion noch vor einem Anstieg des Serumkratininwertes,

, zur Bestimmung der seitengetrennten Nierenfunktionsleistung (Clearance),

, wenn im Ultraschall eine Erweiterung des Nierenbeckens oder des Harnleiters festgestellt worden ist zur Entscheidung, ob eine Operation erforderlich ist, um die Nierenfunktion zu erhalten,

, zur Lokalisationsdiagnostik einer Einengung  des Harntransportsystems,

, zur Verlaufskontrolle (operativ versorgter) Verengungen oder Blockaden des Nierenbeckens oder des Harnleiters,

, zur Beurteilung der Teilfunktion bei Doppelnieren,

, zur Funktionskontrolle vor /nach Chemotherapie,

, zur Funktionskontrolle bei Transplantatniere,

, zum Nachweis  ektopen Nierengewebes, Darstellung von Parenchymnarben bei chronischer Pyelonephritis.


Erwähnenswerte Einschränkung: nuklearmedizinische Nierenuntersuchungen können nicht zuverlässig zwischen Zysten und Tumoren unterscheiden.


Was sind die Risiken einer Nierenszintigrafie?

Die Nierenszintigrafie ist für die meisten Menschen im Allgemeinen sicher.

Die Menge des Radionuklids, die für den Eingriff in Ihre Vene injiziert wird, ist so gering, dass keine Vorsichtsmaßnahmen gegen die radioaktive Exposition erforderlich sind. Die Injektion des Tracers kann zu leichten Beschwerden führen. Allergische Reaktionen auf den Tracer sind sehr selten, können aber auftreten.

Patienten, die gegen Medikamente, Kontrastmittel oder Latex allergisch oder empfindlich sind, sollten ihren Arzt informieren.

Wenn Sie schwanger sind oder vermuten, schwanger zu sein, oder wenn Sie eine stillende Mutter sind, informieren Sie das Praxispersonal, bevor Sie diese Untersuchung durchführen lassen. Es könnte Ihrem Baby schaden.

Es gibt auch eine relative Kontraindikation bei der Verabreichung von Captopril bei Patienten mit einer Einzelniere, da es zu einem vorübergehenden akuten Nierenversagen kommen kann, wenn die Niere eine signifikante Nierenarterienstenose aufweist


Abhängig von Ihrem spezifischen Gesundheitszustand können andere Risiken bestehen. Besprechen Sie vor dem Eingriff alle Bedenken mit Ihrem Arzt.

Wie bereite ich mich auf meine Nierenszintigrafie vor?

VORSICHTSMAßNAHMEN: Wenn Sie schwanger sind oder vermuten, schwanger zu sein, wenden Sie sich bitte an das Praxisteam, bevor Sie die Untersuchung planen. Wir werden andere Optionen mit Ihnen und Ihrem überweisenden Arzt besprechen.

Wenn Sie stillen, sollten Sie uns informieren, da das Risiko besteht, dass die Muttermilch mit dem Tracer kontaminiert wird.

ALLERGIEN: Informieren Sie das Praxisteam, wenn Sie allergisch oder empfindlich auf Medikamente, Kontrastmittel oder Latex reagieren. Allergische Reaktionen auf den Radiotracer sind sehr selten, können aber auftreten.

MEDIKAMENTE: Informieren Sie uns über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen, einschließlich rezeptfreier Arzneimittel, Kräuter und Vitamine. Es kann notwendig sein, dass Sie diese vor der Untersuchung nicht einnehmen sollen. Brechen Sie die Einnahme Ihres Arzneimittels aber erst ab, wenn Sie dazu aufgefordert werden.

Da Diclofenac die renale Tracertransitzeit verlängert und die Kontraktion des Ureters stört, sollte dieses Medikament mindestens 12 Stunden, Retardpräparate besser 48 Stunden vor der Untersuchung nicht mehr eingenommen werden. 

ESSEN / TRINKEN: Zumeist werden Sie gebeten, sich ausreichend zu Trinken mitzubringen. Insbesondere bei der Beurteilung Nierenfunktion und der Abflussverhältnisse ist eine ausreichende Trinkmenge im Vorfeld sehr wichtig (mindestens 0,5l). Trinken Sie bitte aber erst nach Aufforderung durch das Personal!

KLEIDUNG: Bitte entfernen Sie alle Piercings und lassen Sie alle Schmuckstücke und Wertsachen zu Hause. Tragen Sie bequeme, locker sitzende Kleidung und bequeme Schuhe zur Belastung.


Listen Sie alle kürzlich aufgetretene Krankheiten und andere medizinische Besonderheiten bzw. Begleiterkrankungen auf.


Was passiert während der Nierenszintigrafie?

Vor Beginn der Untersuchung werden Sie aufgefordert Kleidung, Schmuck oder andere Gegenstände zu entfernen, die das Ergebnis der Untersuchung beeinträchtigen könnten. Außerdem müssen Sie Ihre Blase entleeren. Eine volle Blase kann nicht nur den Verlauf der Untersuchung vorzeitig beenden, sondern beeinträchtigt auch das Untersuchungsergebnis.

Sie werden dann gebeten, still auf einer Kameraliege zu liegen, da jede Bewegung die Qualität der Aufnahme beeinträchtigen kann.

Sie bekommen einen intravenösen Zugang in eine Vene am Arm oder der Hand, über den der Tracer gespritzt werden kann. Vor der Bildgebung wird Ihnen eine kleine Menge eines speziellen Radiotracers injiziert. Die Nierenszintigrafie unter Diuretikagabe, die ACE-Hemmer-Nierenszintigraphie und die Nierenperfusionsszintigrafie beginnen typischerweise während der Verabreichung des Tracers mit der Bildgebung. Die kortikale Bildgebung erfordert eine 2-4-stündige Verzögerung nach der Verabreichung des Tracers, damit die Aufnahmen beginnen können.


Wenn die Bildgebung beginnt, wird die Gammakamera kontinuierlich eine Reihe von Bildern aufnehmen. Aus dieser Sequenz genannten Bildfolge werden dann die Befunde erhoben. Die Kamera besitzt bewegliche Aufnahmeköpfe, die sich gegebenenfalls auch um Sie herum bewegen können. 

Manchmal werden mehr Bilder angefertigt, um bestimmte Bereiche oder Strukturen zu verdeutlichen oder besser darzustellen. Der Bedarf an mehr Bildern bedeutet nicht unbedingt, dass es ein Problem mit der Untersuchung gab oder dass etwas Ungewöhnliches gefunden wurde. Es sollte Sie nicht beunruhigen.

Die Gammakamera macht keine lauten Geräusche, vor denen Sie Angst haben müssten. Sie sind nicht in einem engen Raum, neben Ihrer Liege ist ausreichend Platz. Sollten Sie dennoch ängstlich sein, lassen Sie es uns bitte vor der Untersuchung wissen. Wir werden Ihnen helfen.


Was passiert nach der Untersuchung?

Sie sollten sich beim Aufstehen von der Kameraliege erst langsam bewegen, um zu vermeiden, dass es zu Schwindel oder Benommenheit kommt.

Normalerweise können Sie sofort zu Ihren normalen Aktivitäten zurückkehren.

Sie werden gebeten, nach dem Eingriff 24 bis 48 Stunden lang viel Flüssigkeit zu trinken und die Blase häufig zu entleeren, um den verbleibenden Tracer aus Ihrem Körper zu entfernen.

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